Freitag, 9. Mai 2008

Schritt 3: Die Ausbildung beginnt - mit viel Bürokratie

Der Schnupperflug hat mich so begeistert, dass ich am liebsten gleich am nächsten Tag mit Flugstunden beginnen wollte. Nach einiger Internetrecherche über Flugschulen, Vereine, Ausbildung und Kosten entschied ich mich für die Flugschule Aero Beta und an einem schönen Sonntag morgen sass ich dann im Büro am Flughafen Stuttgart und unterschrieb meinen (20seitigen) Piloten-Ausbildungsvertrag.

Und gleichzeitig lernte ich meine ersten beiden Lektionen: Fliegen ist a) teuer, b) beschäftigt man sich 70% der Zeit mit Papier und Bürokratie und c) kostet alles auf dem Pilot, Aeronautik, oder ICAO steht per default gleich mal das dreifache - ein gutes Beispiel dafür ist das "Kursdreieck" - eigentlich nichts anderes als ein Geo-Dreieck, das jeder noch aus dem Schulunterricht kennt und das man in jedem Laden für 2,50 erhält. Nich so beim offiziellen Piloten-Kursdreieck. Das gibts nicht nur nicht in jedem Laden sondern nur in den Luftfahrtzubehörapotheken (und Flugschulen, aber das ist das selbe,) sondern kostet auch 15 Euro.

Die "Flatrate" für den Theorieunterricht ist sofort fällig, dazu eine Anzahlung von 1000 Euro für die ersten Flugstunden (dass dieses Budget nur sehr kurzfristi reichen wird war mir damals noch nicht bewust) und dazu steht vor dem Fliegen ein ausgedehnter Formularkrieg an.

Neben Geburtsurkunde, Polizeilichem Führungszeugnis und Auszug aus dem Strassenverkehrsregistereintrag werden auch noch ein Medical (dazu später mehr) und zwei Passfotos benötigt. Bevor es zum ersten mal in die Luft geht dauert es also noch ein Weilchen. Aber: Der erste Schritt ist gemacht. Der Weg zum Pilot steht offen. Jetzt geht ein Traum in Erfüllung.

Schritt 2: Die Schnupperflugstunde



Der Erste Schritt zum Flugschein erfolte an einem grauen Frühlingstag 2008 am Flugplatz Nabern bei Kirchheim Teck - das wiederum liegt in der Nähe von Stuttgart.

Von der Flugschule erhielt ich die Kontaktdaten meines künftigen Fluglehrers Andreas - selbst A340 Kapitän bei der Lufthansa. Wir vereinten einen Termin und schon bald darauf trafen wir uns zu meinem ersten Flug.

Nach dem Aussencheck der CT (Foto), eine kurze Einführung in die Flugtheorie, dann gings auch schon ins Cockpit - während ich auf dem linken, sprich dem "Pilot in command"-Sitz platz nehmen durfte. Die CT ist zwar nur ein zweisitziges, sogenanntes "Ultraleicht"-Flugzeug (dazu später mehr), jedoch ausgestattet wie ein moderner Linienjet. Mit komplettem "Glasscockpit" (so wird ein Cockpit genannt, bei dem Monitore und digitale Anzeigen die herkömmlichen Rundinstrumente weitgehend abgelöst haben), Autopilot, grossem Navigationsgerät mit moving map, elektrischen Klappen und so weiter und so fort.

Nach dem Innencheck und dem Anlassen des Motors folgte das Einstellen der Instrumente und die Anmeldung per Funk und schon rollten wir zum Rollhalt der Graspiste 32. Auf dem Weg dorthin noch die letzten Ruder- und Bremschecks und als der Motor warm war gings dann auf die Piste:

Vollgas und bereits nach 200m hoben wir ab und durch die Frontscheibe war nur noch Himmel zu sehen. Kaum auf Reisehöhe überliess mir Andreas auch bereits das Steuer und wir gingen auf Kurs Richtung Westen wo unser Zielflugplatz Heubach liegen sollte.


Unterwegs blieb erst mal kaum Zeit, die von hier oben unglaublich schöne Herbstlandschaft mit den bunten Wälder, der schwäbischen Albkante und der Burg Teck zu geniessen. Höhe, Kurs und Geschwindigkeit halten brauchen mehr Konzentration als gedacht und schon kleine Windböhen oder Ruderausschläge führen dazu dass all das nicht mehr stimmt.

Allerdings zeigte sich erstaunlicherweise schnell, dass die unzähligen Übungsstunden am Flugsimulator durchaus ihre Spuren hinterlassen haben: Die Steuerung funktionierte schon recht schnell ganz gut und es folten weitere Übungen wie flache und steile Kurven, steigen auf bestimmte Höhe, wieder sinken und so weiter. Während ich die ersten Minuten zugegebenermassen nicht richtig geniessen konnte, gaben die Übungen bereits eine erste Sicherheit und der Flug wurde immer schöner.

Andreas absolvierte dann die Zwischenlandung in Heubach und auf dem Rückweg absolvierte ich dann auch gleich meinen ersten eigenen Start in einem echten Flugzeug. Zurück in Nabern dann in die Platzrunde für die Piste 32 und Andreas zeigte mir, wie man eine butterweiche Landung auf einer nur knapp 500m langen Piste macht.

Da war meine Entscheidung bereits gefallen: Ich will mehr davon. Nächste Woche werde ich mich zur Ausbildung anmelden.

Schritt 1: Der Traum

Woher der Traum vom Fliegen genau kommt weiss ich bis heute nicht so genau.
Vermutlich aber daher, dass mein Vater sehr aktiver Fallschirmspringer war und ich daher gut die Hälfte meiner Kindheit auf Flugplätzen überall in der Schweiz verbrachte und regelmässig an Bord der Absetzflugzeuge mitflog.

Vielleicht auch daher, dass wir irgendwann in den 80er Jahren stolze Besitzer eines der ersten Home-Computers - einem C64 wurden, auf dem ich Stunden mit dem dafür verfügbaren Flugsimulator verbrachte: Diesen primitiv zu nennen wäre vermutlich noch untertrieben.
Eine graue Fläche mit ein paar Instrumenten stellte das Cockpit dar, eine grüne Fläche die Erde, eine blaue Fläche den Himmel und ein Gelber Punkt die Sonne. Fertig.

Gesteuert wurde über die Tastatur und gespeichert auf den grossen Floppy disks, die man damals noch umdrehen konnte.


Die Flugsimulatoren und die Hardware haben sich über die Zeit weiterentwickelt und wurden realistischer - und der Traum vom Fliegen auch - nur leisten konnte ich mir dieses Hobby damals noch lange nicht.

Kurz vor dem 30sten Geburtstag dann - mitlerweile mit abgeschlossenem Studium und einem Job - die Entscheidung den Traum in die Realität umzusetzen. Ich rief die Flugschule Aero-Beta am Stuttgarter Flughafen an und meldete mich für einen Schnupperflug an. Der Beginn des Abenteuers Pilotenausbildung...